
Spring -und Nippzeit
Die Gezeiten sind im Wesentlichen von der Schwerkraft des Mondes abhängig, aber auch die Schwerkraft der Sonne wirkt sich aus.REGEL: Nie in unbekannte Gewässer mit Hochwasser bei Springzeit. Es könnte länger dauern, bis man wieder freikommt.
Die Auswirkungen des Windes auf die Wasserstandshöhe werden hierbei nicht betrachtet.
Weil bei Springzeit die Strömungen stärker sind, unterscheidet der Strömungsatlas zwischen Spring- und Nippzeit.
Diese Unterscheidung kann über einen speziellen Kartensatz oder über eine zweite Zahl an der Strömungspfeilen dargestellt werden.
In Seekarten von Gezeitengewässern finden sich meist lila eingefärbte Diamantenzeichen mit einem innenliegenden Buchstaben.
Für alle Buchstaben dieser Karte befindet sich auf der Seekarte eine Tabelle.
In dieser stehen jeweils für die Position dieses Diamantzeichens die Stromstärke und -richtung zu einer relativen Zeit in ganzen Stunden vor oder nach dem Hochwasser eines Referenz- oder Bezugsortes.
Weiter unterscheidet die Tabelle zwischen Nipp- und Springzeit.
Aus den Gezeitentabellen (BSH und ATT), die jeweils für einen Bezugsort jährlich berechnet sind, können die Zeiten vom Hoch- und Niedrigwasser und die dazu gehörigen Wasserstände direkt abgelesen werden.
Bei den Anschlußorten werden nach BSH und ATT vier Differenzwerte von Hoch- und Niedrigwasser jeweils zur Spring- und zur Nippzeit angegeben.
Bezogen auf den aktuellen Hoch- oder Niedrigwasserstand des Bezugsortes müssen nun Hoch- und Niedrigwasser berechnet werden.
ATT: A D M I R A LT Y To t a l T i d e
BSH Gezeitendaten
BSH Strömungsdaten
Die isailor app hat die Daten drin. Es gilt folgendes zu beachten:

In Teilbereichen der Sinus-Kurve kann man mit linearen Näherungen arbeiten. Für eine erste Näherung kann man die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasserpegel berechnen und das Ergebnis durch sechs teilen. Damit hat man den Anstieg oder den Fall des Wasserstandes pro Stunde berechnet. Ein wesentlicher Fehler dieser Berechnung entsteht um die Hoch- und Niedrigwasserzeiten, weil dort die Sinus-Funktion nicht mehr mit einer linearen Näherung zu beschreiben ist.
Beispiel:
| 25.08. | 25.08. |
| NW | HW |
| 04:54 | 11:08 |
| 1,3m | 5,3m |
Die Differenz zwischen Niedrig- und Hochwasser beträgt am 25.8. 4,0m. Ein Sechstel davon bedeutet einem Anstieg von gut 0,65m pro Stunde. Um 08:00 beträgt die Wasserstandshöhe etwa 3 * 0,65m + 1,3m = 3,25m.
Eine verbesserte Näherung einer Sinus-ähnlichen Gezeitenänderung kann man mit der 12er-Regel vornehmen. Hierzu wird die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser in 12 Teile geteilt. Der Zeitraum zwischen Hoch- und Niedrigwasser wird in 6 Teile (Stunden) geteilt. Die folgende Tabelle beschreibt nun in welcher Stunde wieviel Wasserstandsänderung angenommen wird.
| 1. Stunde | 2. Stunde | 3. Stunde | 4.Stunde | 5. Stunde | 6. Stunde |
| 1 12tel | 2 12tel | 3 12tel | 3 12tel | 2 12tel | 1 12tel |
Beispiel:
| 25.08. | 25.08. |
| NW | HW |
| 04:54 | 11:08 |
| 1,3m | 5,3m |
Ein 12tel der Differenz zwischen Niedrig- und Hochwasser beträgt 0.33m. Zwei Stunden nach Niedrigwasser, um 07:00, beträgt die Wasserstandshöhe 3 * 0.33m + 1,3m = 2,3m.
Im Gegensatz zu dieser Näherung würde die Berechnung nach der linearen Interpolation eine Wasserstandshöhe von 2 * 0.65m + 1,3m = 2,6m ergeben. Der Fehler beträgt also 0,3m.
Aus der grafischen Darstellung der Gezeitenänderung kann man die Wasserstandshöhe zu einem bestimmten Zeitpunkt ermitteln. Hierfür gibt es je nach Revierführer unterschiedliche Verfahren, die man sich vor dem Törn aus der entsprechenden Anleitung unbedingt aneignen sollte!
Beispiele: Im einfachsten Fall (z.B. BSH) ermittelt man die Wasserstandshöhe am Anschlußort direkt aus der Kurve des Bezugsortes, indem man die gewünschte Uhrzeit relativ zum Hochwasser auf der waagerechten Skala abträgt und senkrecht darüber die Wasserstandshöhe abliest. Dabei muss man meist zwischen den Kurven für Nipp- und Springzeit unterscheiden.
In anderen Gezeitendiagrammen (z.B. Diagramm im Reeds) müssen auf speziellen Skalen ober- und unterhalb der Gezeitenkurve des Bezugsortes die Wasserstände für Hoch- und Niedrigwasser des Anschlußortes eingetragen werden. Diese beiden eingezeichneten Punkte werden mit einer geraden Linie (HW-NW) verbunden. Auf einer weiteren Skala unter der Kurve ist die Zeit relativ zum Hochwasser eingetragen. Ausgehend von der gewünschten Uhrzeit zeichnet man eine senkrechte Linie nach oben bis zum Schnittpunkt mit der Gezeitenkurve, zeichnet von dort eine waagerechte Linie bis zur Linie (HW-NW) und von dort aus wieder senkrecht nach oben. Dort kann man dann die Wasserstandshöhe ablesen.
Umgekehrt kann man analog die Uhrzeit für eine bestimmte Wasserstandshöhe ermitteln.
Zur Ermittlung der Wassertiefe an einem Punkt in der Karte muss dann die Wasserstandshöhe zu der Wassertiefe in der Karte hinzugezählt werden. Ebenso ergibt die Summe aus Wasserstandshöhe und Masthöhe die benötigte Durchfahrtshöhe z.B. bei einer Brücke.
Korrekte Werte erhält man aber nur dann, wenn das Seekartennull (SKN) auch mit der Bezugshöhe der Gezeitentabellen übereinstimmt.
In manchen Revierführern steht zu den Gezeiten eines Hafen z.B. folgender Text:
-0400 Dover; ML 3.8; Duration 0545
Das bedeutet, dass das Hochwasser 4 Stunden vor dem Hochwasser Dover liegt, der mittelere Wasserstand 3.8m beträgt und das Niedrigwasser 5h und 45 min vor dem Hochwasser eintritt. Somit kann man in diesen Gewässern mit der Gezeitentabelle von Dover alle Hoch- und Niedrigwasserzeiten grob bestimmen.
(in Arbeit)
Die Gezeitenangaben eines Hafens werden als Auszug aus den ATT in Form einer folgende Tabelle angegeben:
| Standard Port (z.B. Plymouth) | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Times | Height (metres) | ||||||
| High Water | Low Water | MHWS | MHWN | MLWS | MLWN | ||
| 0300 1500 |
0900 2100 |
0200 1400 |
0900 2100 |
11.3 | 8.0 | 4.1 | 1.5 |
| Difference Secondary Port (z.B. Southampton) | |||||||
+0055 |
+0043 |
+0035 |
+0115 |
-4.9 |
-3.7 |
-1.7 |
-0.7 |
Diese Tabelle benennt Zeit- und Höhenunterschiede des Secondary Ports gegenüber dem Standard Port. Sie ist folgendermaßen zu lesen:
Der Zeitunterschied des Hochwassers des Secondary Port beträgt um 03:00 und 15:00 Uhr +55 min aber um 09:00 und 21:00 Uhr +43 min gegenüber dem Standard Port. Nun findet das Hochwasser natürlich nicht täglich genau zu diesen Zeiten statt. Der exakte Zeitunterschied muss also durch eine Berechnung ermittelt werden:
Für ein Hochwasser um 12:00 Uhr ist aus der Tabelle das Wertepaar (0900|+0043)=A und (1500|+0055)=B zu nehmen. Diese beiden Wertepaare können nun auf geeignetem karierten Papier in ein Koordinaten-System eingetragen werden. Hierbei wird die Uhrzeit auf der X-Achse, der Zeitunterschied auf der Y-Achse abgetragen. Durch beide Punkte wird nun eine Linie(AB) gezogen. Trägt man nun die Hochwasserzeit von 12:00 auf der X-Achse ab, zeichnet eine senkrechte Linie nach oben bis zum Schnittpunkt der Linie(AB), von dort aus eine waagerechte Linie bis zur Y-Achse, kann man dann den Zeitunterschied ablesen.
Der relative Zeitunterschied ist hier 2 min/Stunde und der absolute beträgt bei dem Hochwasser des Standard Ports um 12:00 Uhr +0049 min.
Die gleiche Berechnung/zeichnerische Ermittlung des Zeitunterschiedes ist gegebenenfalls für das Niedrigwasser ebenfalls durchzuführen.
Beispiel (Quelle:http://www.lutzboehme.de/segeln/downloads/sss/Anwendung_der_ATT.pdf):
Anmerkung: Diese Berechnungsweise erscheint unnötig kompliziert. Eine Kenntnis des Verfahren ist aber unabdingbar, weil es auch Gezeitenangaben gibt, die nicht sich nur um 2 min/Stunde verändern, sondern insbesondere bei Niedrigwasserzeiten in Fjorden und Flußmündungen um mehr als 10 min/Stunde. Hieraus erwächst dann schnell fast eine Stunde mehr Zeitunterschied, als auf den ersten Blick ersichtlich.
Unmittelbare Gefahren sind:
http://www.nautin.nl/
http://www.ayetides.com/
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